Krebs aushungern? – Weg mit dem Zucker - smartESSEN

Krebs aushungern? – Weg mit dem Zucker

Krebs aushungern? Weg mit dem Zucker!

Krebszellen lieben Zucker. Für ihre Ernährung ist er unverzichtbar. Wenn sie nicht genug davon erhalten, wird ihr Wachstum eingeschränkt oder sogar ganz gestoppt. Durch eine zucker- und kohlenhydratfreie Kost kannst du den Krebs aushungern. Außerdem gibt es eine Zuckerart, die Krebszellen zum Selbstmord treibt.

Zivilisationskrankheit Krebs

Der kanadische Polarforscher und Ethnologe Vilhiámur Stefanson (1879 - 1962) verbrachte viele Jahre seines Lebens unter den kanadischen Inuit.

Dort machte er eine erstaunliche Entdeckung: Die Eskimos kannten keinen Krebs!Der Grund dafür war ihre Lebensweise: Sie jagten und waren mit dem Kanu unterwegs. Ihre Ernährung bestand aus Fleisch von Robben oder Karibus und Fisch. Zucker und andere Kohlenhydrate spielten auf ihrem Speisezettel keine Rolle.

Der Krebs kam erst Mitte des 20. Jahrhunderts zu den Inuit. Durch die moderne Zivilisation waren sie auf industriell hergestellte Nahrung mit vielen Kohlenhydraten umgestiegen.

Low Carb - traditionelle Ernährungsweise der Jäger & Sammler - Krebs aushungern

Low Carb - traditionelle Ernährungsweise der Jäger & Sammler

Stefanson gehörte zu den frühen Verfechtern von Low Carb. Er wollte belegen, daß eine Ernährung ohne Kohlenhydrate nicht schädlich ist. Dazu unterzog er sich 1928 einem kontrollierten Experiment. Ein Jahr lang nahmen er und ein Kollege ebenso wie die Inuit ausschließlich Fisch und Fleischmahlzeiten zu sich.

Ihrer Gesundheit hat diese Kost nicht geschadet - im Gegenteil: Stefanson berichtete, dass er sich ohne Kohlenhydrate besser und leistungsfähiger fühlte. Sein Gedanke, dass der Verzehr von Kohlenhydraten ein Auslöser für Krebs ist, wurde später von Ärzten und Wissenschaftlern ​untersucht. Wenn der Verzicht darauf einer Tumorerkrankung vorbeugt, muss hiermit auch das Krebs aushungern möglich sein!

Krebs ernährt sich von Zucker - und vergärt ihn

Der deutsche Arzt Otto Heinrich Warburg (1883 - 1970) untersuchte als einer der weltweit ersten Forscher den Stoffwechsel von Tumorzellen. ​Er entdeckte, dass Tumorzellen Zucker anders verwerten als gesunde Zellen. Im Jahr 1931 erhielt er dafür einen Nobelpreis.

Durch seine Forschung wies er nach, dass Krebszellen hohe Laktatkonzentrationen enthalten. Laktate sind chemische Verbindungen, die unter Ausschluss von Sauerstoff aus Milchsäure entstehen. Daraus leitete er ab, dass Tumorzellen Zucker anders verarbeiten als gesunde Zellen. Er ging davon aus, dass sich Krebszellen überwiegend von Glukose (Traubenzucker) ernähren. ​Sie verbrennen ​diese aber nicht, sondern vergären sie. Durch die Gärung entsteht Laktat, aus dem sie ihre Energie gewinnen.

Das Wissen über die Entstehung und Ernährung von Krebs ist seitdem immens gewachsen. Trotzdem sind Warburgs Erkenntnisse auch heute gültig. 

Durch die Vergärung von Zucker entsteht neues Krebsgewebe

Gesunde Körperzellen bilden nur dann Laktat, wenn kein Sauerstoff vorhanden ist. ​Normalerweise beziehen sie ​die benötigte Energie ​aus der Verbrennung von Glukose. Hierdurch erhalten sie fast 20mal mehr Energie, als bei der Vergärung des Zuckers zu Laktat. Auf den ersten Blick wirkt der Energiestoffwechsel von Krebszellen daher wie Energieverschwendung.

​Die Tumorzellen sind durch die Vergärung jedoch weitgehend unabhängig von Sauerstoff - und damit vom restlichen Stoffwechsel des Körpers. Außerdem gewinnen sie durch die Gärung nicht nur Energie, um sich zu teilen. Vielmehr binden sie durch diesen Vorgang zahlreiche andere Stoffwechselprodukte, die sie brauchen, um neues Krebsgewebe aufzubauen.

Krebs aushungern durch Zuckermangel?

Wir lieben Süßes! - Krebs aushungern

Wir lieben Süßes!

Der menschliche Appetit auf Süßes hat evolutionäre Wurzeln. Trotzdem waren süße Lebensmittel bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts für die meisten Menschen Luxus. Zum Grundnahrungsmittel wurde Zucker erst durch die industrielle Zuckerproduktion. Zu den negativen Folgen des exzessiven Zuckerkonsums gehören Übergewicht und schlechte Zähne. Ebenso fördert zu viel Zucker das Entstehen einer Krebserkrankung.

Aber nicht nur der Zuckerkonsum ist hierfür verantwortlich. ​Unsere konventionelle mitteleuropäische Ernährung ​besteht zu einem großen Teil aus Kohlenhydraten. Bei ihrer Verwertung durch den Körper entsteht automatisch Zucker. Zunächst werden die verzehrten Kohlenhydrate in Glukose (Traubenzucker) umgewandelt. Danach spaltet der Körper den Traubenzucker in verschiedene Moleküle auf. Diese ​sind für den Energiestoffwechsel gesunder Körperzellen scheinbar unverzichtbar. Vor allem das Gehirn ist auf die Energieversorgung durch Zucker angewiesen. Daraus ergibt sich die Frage, ob das Krebs aushungern funktionieren kann.

Zucker schützt den Krebs

Ebenso wie gesunde Körperzellen erhalten auch Krebszellen durch Zucker Energie. Gleichzeitig macht er Menschen anfälliger für Krebs. Verantwortlich dafür ist ein bestimmtes Gen​: das TKTL1.

​Einerseits stell das TKTL1-Gen ​einen wichtigen Schutzmechanismus der Zellen dar: ​gerät eine Zelle unter Stress, kann sie hierdurch ihren Stoffwechsel verändern und so ihr Absterben verhindern. Für gesunde Körperzellen ist diese Wirkung überlebenswichtig.

​Andererseits ist das Gen jedoch oft auch bei Krebszellen aktiviert. Es sorgt dafür, dass der auf Gärung basierende Stoffwechsel der Tumorzellen funktioniert: Zucker wird durch Vergären in Milchsäure verwandelt und versorgt die Tumorzellen so mit Energie.

Ein TKTL1-aktiver Krebs zeigt ein aggresives, rasches Wachstum. Zudem bildet er häufig Resistenzen gegen Chemotherapien aus. Die Prognose von Patienten, die an einer ​derartigen Krebserkrankung leiden, ist in der Regel schlecht.

​Zucker ist der ​Treibstoff ​für dieses rasend schnelle Wachstum - das hat der ​deutsche Krebsforscher Johannes Coy ​während seiner Tätigkeit am Deutschen Krebsforschungsinstitut in Heidelberg herausgefunden. Vergleichbare Forschungsergebnisse wurden an der US-amerikanischen John-Hopkins-Universität erzielt, einem der weltweit führenden Krebsforschungszentren.

Krebs aushungern - durch ketogene Kost

Aus diesen Erkenntnissen zogen Coy und andere Forscher den Schluss, dass das Krebs aushungern möglich ist. ​Wenn es gelingt, den normalen Stoffwechsel von Tumorzellen zu reaktivieren, muss es möglich sein, das Krebswachstum zu stoppen.

Coy plädiert für eine zuckerfreie und kohlenhydratarme Kost, um dem Krebs die Nahrungsgrundlage zu entziehen.

Einer Chemotherapie steht die Ernährungsumstellung nicht entgegen. Der Verzicht auf Kohlenhydrate soll nicht nur den Krebs aushungern, sondern vor allem die Wirksamkeit von Chemotherapien unterstützen. Wenn Ärzte Resistenzen gegen die Behandlung ignorieren, entstehen daraus für die Patienten fatale Folgen.

Wissenschaftler sind der Ansicht, dass durch die Chemo-Resistenz eine neue Form von Krebs entsteht, die jeder gängigen Behandlung trotzt. Wenn dieser Zustand eintritt, kann den Betroffenen nicht mehr geholfen werden. Das Krebs aushungern kann somit lebensrettend sein.

Was bedeutet "ketogen"?

Bei einer ketogenen Ernährung werden keine oder nur noch sehr wenige Kohlenhydrate aufgenommen. Eine mildere Variante ist Low Carb. Die Aufnahme von Kohlenhydraten wird dabei in weniger strikter Weise reduziert.

Avocado - Lieferant gesunder Fette - Krebs aushungern

Avocado - Lieferant gesunder Fette

Bei einer ketogenen Kost bezieht der Körper seine Energie vor allem aus Fetten und in geringerem Maß aus Eiweiß (Protein). Aus Fett wird ein Ersatzstoff gebildet, der die Funktion der Glukose übernimmt. Diese Substanz wird als Keton oder Ketonkörper bezeichnet. Sie sichert die Energieversorgung des Körpers ab.

Auch bei einer ketogener Ernährung produziert die Leber geringe Mengen an Glukose. Der körpereigene Zucker ist erforderlich, um die Energieversorgung des Gehirns und einen stabilen Blutzuckerspiegel aufrechtzuerhalten.

Ketogene Ernährung in der Krebsbehandlung

Eine ketogene Diät ist für das Krebs aushungern ausgesprochen wirksam. Tumorzellen sind nicht in der Lage, Fette zu verwerten. Auch an der Energiegewinnung aus Ketonkörpern scheitern sie.

Zudem verändert sich der Stoffwechsel von Krebspatienten. Ihr Körper ist oft nur eingeschränkt zur Energiegewinnung aus Glukose in der Lage. Ein großer Teil der durch Kohlenhydrate zugeführten Energie verpufft ungenutzt. Zucker und Kohlenhydrate in der Nahrung kommen nicht mehr dem Körper, sondern nur noch dem Krebs zugute. Die Folge besteht in der sogenannten Tumorkachexie (Auszehrung): Die Patienten verlieren trotz ausreichender Kalorienzufuhr an Gewicht. Da die Krebszellen auch Appetit auf Eiweiß haben, kommt es zu einem fortschreitenden Muskelabbau.

Durch den Verzehr von Zucker und Kohlenhydraten entsteht bei Krebserkrankung ein Teufelskreis. Für ihre Ernährung vergären Krebszellen Zucker. Dabei werden große Mengen Milchsäure freigesetzt. Die Leber wandelt dieses Abbauprodukt wieder in Glukose um. Der Krebs bekommt durch diesen Kreislauf folglich neue Nahrung.Krebs aushungern funktioniert nur dann, wenn ihm der Zucker vorenthalten wird.

Krebs & Zucker- ein Teufelskreis - Krebs aushungern


Studien zu ketogener Kost bei Krebs

Das Krebs aushungern spielt in der Tumortherapie seit langem eine Rolle. Diese Möglichkeit ist nicht nur für die alternative Krebsbehandlung interessant. An der Uni Würzburg sind ketogene Diäten Bestandteil des Behandlungsplans für Krebspatienten. In einer Studie mit Brustkrebs-Patientinnen konnten die Würzburger Wissenschaftler belegen, dass eine ketogene Kost das Krebswachstum verlangsamen oder stoppen kann.

Bisher ist nicht bekannt, ob eine ketogene Diät bei Krebs die Wirksamkeit von Medikamenten beeinflusst. Die Würzburger Ärzte raten Patienten, die ihren Krebs aushungern wollen, in den ersten drei Monaten zu einer strengen ärztlichen Kontrolle. Wenn sie die Diät gut vertragen, kann sie auf Dauer beibehalten werden.

Schlechter Zucker - guter Zucker?

Zucker völlig zu vermeiden, ist nicht realistisch. Er kommt auch in naturbelassenen Lebensmitteln vor. Gemüse und vor allem Obst enthalten zum Teil größere Mengen Zucker.

Studien weisen darauf hin, dass die Wirkung der verschiedenen Zuckerarten auf den Krebs unterschiedlich ist. Besonders kritisch ist der Verzehr von industriell hergestelltem Fruchtzucker (Fruktose). Dieser kann Krebs regelrecht zum Explodieren bringen. Wissenschaftler nehmen an, dass der Körper von Krebspatienten mit der gleichzeitigen Verwertung von Glukose und Fruktose überfordert ist. Außerdem erhält der Tumor durch die Fruktose zusätzliche Nahrung.

Versteckte Zuckerquellen meiden

Generell ist bei Krebs empfehlenswert, die Verwendung von Zucker so weit wie möglich einzuschränken. Auch süßes Obst sollte nur in Maßen gegessen werden, um das Krebs aushungern nicht zu unterbrechen.

Wichtig ist, versteckte Zuckerquellen zu erkennen. In besonderem Maße gilt das für Fruktose. Raffinierte Fruktose wird in vielen industriell hergestellten Lebensmitteln eingesetzt. Sie süßt stärker und ist billiger als andere Zuckerarten. Verwendung findet sie beispielsweise in Softdrinks, Süßigkeiten, Fertiggerichten oder Brot. Wenn du versuchen willst, den Krebs auszuhungern, solltest du Industrienahrung vollständig meiden.

Vorsicht! Versteckter Zucker! - Krebs aushungern

Vorsicht! Versteckter Zucker!

Neue Forschungsergebnisse: Krebszellen mögen keinen Zucker?

Auf den ersten Blick kann nur eine These stimmen: Krebszellen lieben Zucker - oder nicht. Allerdings ist Zucker nicht gleich Zucker. Eine bestimmte Zuckerart ist in der Lage, sie umzubringen.

Eine spezielle Form von Traubenzucker, die 2-Deoxyglukose, ist für Krebszellen ​pures Gift. Ein US-amerikanischer und ein japanischer Wissenschaftler haben herausgefunden, dass sie in den Tumorzellen einen Selbstmordschalter aktiviert.

Krebszellen hängen in ihrer Ernährung fast vollständig von Glukose ab. ​In diesem Fall wird ihnen die Gier nach Zucker jedoch zum Verhängnis. Sie sind nicht in der Lage, zwischen normalem Traubenzucker und der 2-Deoxyglukose zu unterscheiden. 

Wird 2-Deoxyglukose von einer Tumorzelle aufgenommen, entfernt sie ​ein ​Protein im Zellinneren, welches ​verhindert, dass ​Medikamente den "Schalter" für den programmierten Zelltod ​erreichen können. ​So geht den Krebszellen ein überlebenswichtiger Schutz verloren.

Den Krebs aushungern und mit Chemotherapie bekämpfen

Eine intakte Krebszelle ist also durch besagtes Protein geschützt. ​Allerdings ​setzen Chemotherapien ​unter anderem ​bei der Aktivierung des Selbstmord-Programmes der Tumorzellen an​. Die Folge besteht in Resistenzen gegen die Chemotherapie.

Dieser Mechanismus wird durch das Wirken der speziellen Traubenzucker-Moleküle außer Kraft gesetzt. Außerdem unterbrechen sie die Energiegewinnung in den Tumorzellen und stoppen so ​deren Wachstum.

Ketogene Ernährung verhindert Chemotherapie-Resistenz - Krebs aushungern

Ketogene Ernährung verhindert Chemotherapie-Resistenz

Die beiden Forscher haben hieraus einen zweistufigen Therapieansatz entwickelt: 

  1. Durch Einnahme von ​2-Deoxyglukose wird in den Krebszellen das Schutzprotein entfernt
  2. Anschließend wird ein herkömmliches Chemotherapeutikum verabreicht.
    Es setzt ​Proteine frei, die den programmierten Zelltod einleiten: Die Krebszellen beginnen, sich selber zu zerstören.

Wirksamkeit gegen verschiedene Tumorarten

Die Wirksamkeit des Verfahrens wurde zuerst an Zellkulturen und später an Mäusen untersucht. Prostatakrebs verschwand in den Tierversuchen innerhalb weniger Tage. Auch Brustkrebs, Leberkrebs, Lungenkrebs und Leukämie ließen sich durch die neue Therapieform gut bekämpfen.

Der Erfolg der Kombination aus Zucker- und Chemotherapie beruht darauf, dass die Krebszellen an unterschiedlichen Punkten angegriffen werden. Allerdings stehen klinische Studien an menschlichen Patienten bisher aus.Zudem sprechen nicht alle Krebsarten auf die Behandlung an. Zum Beispiel sind die Zellen von Hirntumoren gegen die Zucker-Therapie resistent.