Krebs und Eiweiß – gefährlich oder hilfreich? - smartESSEN

Krebs und Eiweiß – gefährlich oder hilfreich?

Krebs und Eiweiß - gefährlich oder hilfreich?

Krebs und Ernährung hängen eng zusammen. Viele Lebensmittel greifen in den Stoffwechsel des Tumors ein. Sie können das Krebswachstum fördern oder hemmen. An der Frage - Krebs und Eiweiß, ist eiweißreiche Ernährung hilfreich oder schädlich - scheiden sich die Geister. Studien legen jedoch nahe, dass pflanzliche Proteine dabei helfen, das Risiko für Krebs zu senken.

Welche Aufgaben erfüllen Proteine?

Eiweiße oder Proteine sind die wichtigsten Baustoffe unseres Körpers. Sie sind die Ursubstanz der Zellen. Neben Kohlenhydraten und Fetten sind sie der dritte wichtige Nährstoff, auf den unsere Ernährung aufbaut. Daher ist eine ausreichende Versorgung mit Proteinen ist für den Körper überlebenswichtig. Eiweiß ist ein wichtiger Energielieferant. Gleichzeitig sind Proteine für die Regeneration der Zellen und den Aufbau der Körpergewebe unverzichtbar.

Ein Eiweißmangel führt dazu, dass unserer Stoffwechsel und viele körperliche Funktionen aus der Balance geraten. Die Leistungsfähigkeit des Körpers sinkt. Auch die Immunabwehr verliert ihre Kraft.

Körperzellen brauchen Eiweiß

Es gibt keine Körperzellen, die ohne Eiweiß existieren können. Proteine sind der Grundstoff der inneren Organe, der Muskeln und des Blutes. Auch die Antikörper des Immunsystems, Hormone und Enzyme sind aus Eiweiß aufgebaut. Da sich die Zellen permanent erneuern, sind sie auf die regelmäßige Zufuhr von Proteinen angewiesen. Auch der Transport bestimmter Stoffe durch die Zellmembranen kann nur erfolgen, wenn genügend Protein vorhanden ist.

Krebs und Eiweiß - Aminosäuren

Das Eiweiß aus der Nahrung wird im Körper in Aminosäuren aufgespalten. Sie sind das Baumaterial und der Treibstoff für die Zellen. Insgesamt kommen im menschlichen Körper 50.000 bis 100.000 unterschiedliche Eiweißverbindungen vor. Einige Aminosäuren kann der menschliche Organismus selbst produzieren.

Die sogenannten essentiellen - unentbehrlichen - Aminosäuren enthält er jedoch ausschließlich aus Lebensmitteln. Der Körper ist nicht in der Lage, Protein zu speichern. Nicht verbrauchtes Eiweiß wird unter anderem in Harnstoff umgewandelt und über die Nieren ausgeschieden.

Auf die Qualität der Proteine kommt es an

Gesunde Erwachsene sollen täglich pro Kilogramm Körpergewicht 0,8 Gramm Eiweiß zu sich nehmen. Kinder und Jugendliche brauchen etwas größere Mengen.

Neben der Menge kommt es jedoch auch auf die Qualität der Proteine an, die mit der Nahrung aufgenommen werden. Experten sprechen in diesem Zusammenhang von der biologischen Wertigkeit von Proteinen. Sie sagt aus, wieviel Gramm körpereigenes Eiweiß aus jeweils 100 Gramm Nahrungsprotein gebildet werden können. Wenn die Aminosäuren in einem Lebensmittel eine ähnliche Struktur wie körpereigene Aminosäuren aufweisen, ist ihre biologische Wertigkeit besonders hoch.

Die biologische Wertigkeit von tierischem Eiweiß ist im Vergleich zu Pflanzenproteinen höher. Jedoch sind in der täglichen Ernährung sowohl tierische als auch pflanzliche Proteine wünschenswert. Sie ergänzen sich gegenseitig, so dass sich die biologische Wertigkeit der aufgenommenen Eiweiße insgesamt erhöht.

Proteine liefern Energie

Auch als Nährstofflieferanten sind Proteine für den Organismus wichtig. Ihr Energiegehalt pro Gramm liegt bei vier Kilokalorien. Damit sind sie ebenso energiereich wie Kohlenhydrate. Fett enthält dagegen mit neun Kilokalorien pro Gramm mehr als doppelt soviel Energie. 

Fisch - wichtige Eiweißquelle - Krebs und Eiweiß

Proteinreich sind fast alle tierischen Lebensmittel. Fleisch, Fisch, Meeresfrüchte, Eier und Milchprodukte enthalten große Mengen Eiweiß. Bei Käse und anderen Milchprodukten mit hohem Fettgehalt ist in der Regel auch ihr Anteil an Proteinen höher.

Pflanzliche Lebensmittel bringen dagegen einen sehr unterschiedlichen Gehalt an Proteinen mit. Als gute pflanzliche Eiweißspender gelten vor allem Nüsse und Hülsenfrüchte. Weniger bekannt ist, dass auch Gemüsesorten wie Spinat, Blattsalat, Blumenkohl und Brokkoli große Mengen an Protein enthalten.

Krebs und Eiweiß: Wie sich der Krebs ernährt

Um den Zusammenhang zwischen Krebs und Eiweiß zu begreifen, ist es wichtig zu verstehen, wie sich der Krebs ernährt. Krebszellen sind nicht in der Lage, Fette zu verwerten. Für ihren Stoffwechsel und ihr Wachstum sind sie daher auf Kohlenhydrate und - zu einem deutlich geringeren Teil - auf Eiweiß angewiesen.

Krebs und Eiweiß - fetter Käse ist besonders empfehlenswert

Krebs und Eiweiß - fetter Käse ist besonders empfehlenswert

Krebszellen lieben Zucker

Der wichtigste Energielieferant für Krebszellen ist Zucker. Die mit der Nahrung aufgenommenen Kohlenhydrate werden durch die Verdauung in Glukose (Traubenzucker) aufgespalten. Verwertet wird dieser Zucker durch alle Körperzellen.

Gesunde Zellen verbrennen ihn unter Einwirkung von Sauerstoff. Krebszellen verfügen dagegen über einen anderen Mechanismus. Sie vergären den Zucker zu Milchsäure. Für diesen Vorgang ist kein Sauerstoff erforderlich.

Für die Krebszellen sind damit verschiedene Vorteile verbunden: die Milchsäure führt zu einer Übersäuerung der umliegenden Gewebe und zerstört dort gesunde Zellen. So kann der Tumor besser wachsen.

Der Stoffwechsel der Krebszellen beruht nicht auf Zellatmung. Daher sind sie häufig in der Lage, der schädigenden Wirkung von Chemotherapien "auszuweichen". Viele gängige Chemotherapeutika setzen bei den Mitochondrien - den Kraftwerken der Zellen - an.

Allerdings ist die Gewinnung von Energie durch Gärung nur wenig effizient. Krebszellen entwickeln daher eine starke Gier nach Zucker. An Krebs erkrankte Menschen, die viele Kohlenhydrate essen, füttern damit vor allem den Tumor.

Krebs und Eiweiß - ein etwas komplizierterer Mechanismus

Der Zusammenhang von Krebs und Eiweiß ist dagegen etwas komplizierter. Auch Krebszellen brauchen in einem bestimmten Umfang Eiweiß, um sich zu entwickeln. Folglich entziehen sie dem Körper nicht nur Zucker, sondern auch Proteine.

Auf den ersten Blick erscheint es, als ob Krebs und Eiweiß-Ernährung nur schlecht zusammen passen.
In der Praxis benötigte der Körper bei Krebs jedoch Eiweiß in größeren Mengen als die Werte, die für gesunde Menschen gelten. Mediziner empfehlen bei Krebs pro Tag und Kilogramm Körpergewicht mindestens 1,2 bis 1,5 Gramm Protein.
Bei schlechtem Ernährungszustand sollte die Eiweißmenge pro Kilogramm Körpergewicht zwei Gramm betragen.

Wichtig: Bei Krebs ist eine Eiweiß-Ernährung DRINGEND nötig!

Verantwortlich dafür sind ebenfalls der Zuckerhunger des Tumors sowie die Tatsache, dass der menschliche Körper in der Lage ist, aus Eiweiß Zucker zu produzieren.

Krebs, Eiweiß und Tumorkachexie

Viele an Krebs Erkrankte verlieren schon vor der Diagnose deutlich an Gewicht. In einem fortgeschrittenen Stadium der Krankheit entwickeln viele Krebspatienten eine sogenannte Tumorkachexie. Dieser Begriff bedeutet wörtlich Auszehrung oder "schlechter Zustand". Sie entsteht auch dann, wenn die Betroffenen eine ausreichende Menge an Kalorien zu sich nehmen. Schätzungen gehen davon aus, dass die Tumorkachexie bei bis zu 20 Prozent der Erkrankten die unmittelbare Todesursache ist.

Bei ihrer Entstehung wirken verschiedene Faktoren mit:

  • der Krebs verwertet den größten Teil der Kohlenhydrate, diese stehen so dem Körper für seinen Energiebedarf nicht mehr zur Verfügung

  • auch der Stoffwechsel der gesunden Zellen ist gestört, sie können Kohlenhydrate bzw. Zucker nicht mehr gut verwerten

  • das Hormon Insulin, das den Zuckerstoffwechsel reguliert, wirkt für den Krebs als Wachstumsfaktor

  • der Zuckerhunger der Krebszellen führt zum Abbau von Muskeleiweiß
  •  nimmt der Körper nicht genügend Kohlenhydrate auf, um seinen eigenen Bedarf sowie die Zuckergier der Tumorzellen zu decken, beginnt die Leber, aus Traubenzucker Glukose herzustellen

  • gleichzeitig baut sie die durch den Stoffwechsel des Tumors entstandene Milchsäure ab, auch hierbei entstehen größere Mengen Traubenzucker

Beide Vorgänge nützen dem Körper kaum, vielmehr "füttern" sie fast ausschließlich den Tumor. Durch den Abbau von Körpereiweiß verstärkt sich wiederum die Abmagerung. Durch diese Prozesse entsteht ein Teufelskreis, der die Betroffenen das Leben kosten kann.

Krebs & Zucker- ein Teufelskreis - Krebs und Eiweiß

Welche Kost ist passend?

Ein Verzicht auf Eiweiß bei einer Krebserkrankung kann schwere Mangelzustände nach sich ziehen und fördert die Tumorkachexie. Ernährungsumstellungen bei Krebs zielen darauf ab, den Tumor auszuhungern. Dabei ist der weitgehende Verzicht auf Kohlenhydrate wichtig. Jedoch ist es nicht zielführend und für die Betroffenen gefährlich, dem Körper bei Krebs Eiweiß zu entziehen. In der diätetischen Krebsbehandlung gibt es zwei grundsätzliche Wege, mit Proteinen umzugehen:

  • bei einer ketogenen Diät wird dem Krebs durch den Verzicht auf Kohlenhydrate die Lebensgrundlage entzogen

  • bei einer speziellen Eiweiß-Kost - beispielsweise der Öl-Eiweiß-Diät nach Dr. Johanna Budwig - werden dem Körper große Mengen an Proteinen zugeführt. 

In beiden Fällen hilft die veränderte Ernährung dabei, den Krebs zurückzudrängen. Erwiesen ist, dass sich der Ernährungszustand der Patienten bessert. Das Entstehen einer Auszehrung kann durch die Ernährungsumstellung oft verhindert werden. Der Verlauf einer bestehenden Tumorkachexie wird abgemildert.

Ketogene Ernährung bei Krebs

Ketogene Ernährung bei Krebs

Das Prinzip einer ketogenen Ernährung besteht darin, dass auf Kohlenhydrate fast vollständig verzichtet wird. Sie ist damit eine strikte Variante von Low Carb als einer Ernährungsform, bei der die Aufnahme von Kohlenhydraten reduziert wird.

Der Körper stellt seinen Stoffwechsel auf die neue Ernährungsform problemlos um. Seine Energie bezieht er bei einer ketogenen Kost aus Fetten und Nahrungsproteinen. Als Richtwerte gelten, dass 75 Prozent der täglichen Nahrungsmenge aus Fett bestehen, 21 Prozent werden in Form von Eiweiß aufgenommen. Der Anteil der Kohlenhydrate beläuft sich auf vier Prozent. Er darf 25 Gramm pro Tag nicht übersteigen.

Ketogene Ernährung bei Krebs - Nährwertverteilung - Krebs & Eiweeiß

Die Ernährungsgrundlage bei einer ketogenen Diät bilden Fleisch, Fisch, fettreiche Milchprodukte und hochwertige Pflanzenöle. Obst und Gemüse mit einem geringen Anteil an Kohlenhydraten ist ebenfalls erlaubt. Fast alle diese Lebensmittel sind gleichzeitig wichtige Eiweißlieferanten.

Bei Krebs ist Eiweiß im Rahmen einer solchen Kost besonders wichtig. Die körpereigene Glukoseproduktion in der Leber kann durch die Ernährungsumstellung nicht unterbunden werden. Folglich muss täglich so viel Eiweiß aufgenommen werden, dass der Körper nicht gezwungen wird, dafür die Muskelproteine anzugreifen.

Öl-Eiweiß-Diät nach Dr. Budwig

Die Öl-Eiweiß-Diät nach Dr. Budwig ist eine der bekanntesten Anti-Krebs-Diäten. Die Ärztin und Heilpraktikerin Dr. Johanna Budwig entwickelte ihr Ernährungsprogramm bei Krebs im Jahr 1951. In der Ernährungstherapie gegen Krebs wird es bis heute weltweit praktiziert.

Die Grundbestandteile der Budwig-Diät sind Quark, Hüttenkäse sowie Leinöl, die zu allen Mahlzeiten gegessen werden. Weitere erlaubte Lebensmittel sind frisch gepresste Säfte, Obst und Gemüse, Nüsse, Samen, Honig und Kokosöl.

Leinöl, Leinsaat, Quark und Hüttenkäse - die Hauptbestandteile der Dr. Budwig Diät - Krebs und Eiweiß

Leinöl, Leinsaat, Quark und Hüttenkäse - die Hauptbestandteile der Dr. Budwig Diät

Kohlenhydrate werden bei dieser Ernährungsform nicht völlig ausgeschlossen, spielen jedoch nur eine Nebenrolle. Tagsüber kommen kaum Kohlenhydrate auf den Tisch. Als Abendmahlzeit empfiehlt Dr. Budwig jedoch leichte Suppen, die aus Reis, Buchweizen oder anderem Getreide zubereitet werden.

Verboten sind außer Quark und Hüttenkäse alle tierischen Produkte, minderwertige Öle, industriell hergestellte Lebensmittel, Weißmehl und raffinierter Zucker. Diese Kost kann bedenkenlos auf Dauer beibehalten werden. Eine Mangel- oder Fehlernährung kann daraus nicht entstehen.

Das Prinzip der Budwig-Diät beruht auf schwefelhaltigen Aminosäuren in Quark und Käse sowie auf hochwertigen Omega-3-Fettsäuren, die sich im Leinöl finden. Die "Kombination" aus Krebs und Eiweiß hat zum Ziel, die normale Zellatmung der Tumorzellen wieder herzustellen, die sich hierdurch in normale Körperzellen zurückverwandeln sollen.

Zudem ist die Öl-Eiweiß-Diät nach Dr. Budwig ein ganzheitliches Konzept. Zum einen soll Krebs mit Eiweiß in Schach gehalten werden. Zum anderen sollen belastende Faktoren in der Lebensweise ausgeschaltet werden. Durch die Verbindung von Ernährungsumstellung, Stressreduktion und Entspannung sollen Körper und Seele wieder eine positive Balance erreichen.

Was sagt die Wissenschaft zu Krebs und Eiweiß?

Dass bei Krebs Eiweiß in ausreichenden Mengen wichtig ist, wird aus der Sicht der Wissenschaft nicht bestritten. Etwas anders sieht es aus, wenn es darum geht, das allgemeine Krebsrisiko zu senken.

Einige US-amerikanische Studien legen nahe, dass zwischen der Entstehung von Krebs und Eiweiß ein Zusammenhang besteht. Demnach ist vor allem gesunden Menschen im Alter zwischen 50 und 65 Jahren eine eiweißreduzierte Ernährung zu empfehlen. Menschen in dieser Altersgruppe mit hohem Proteinkonsum hatten ein um 75 Prozent erhöhtes generelles Sterberisiko. Ihr Risiko für eine Krebserkrankung war vier Mal höher als bei Personen, die nur wenig Eiweiß zu sich nahmen. Im Fokus stand hier der Verzehr von tierischem Eiweiß. Für pflanzliche Proteine war dieser Effekt nicht nachzuweisen. Im höheren Lebensalter benötigt der Körper dagegen größere Eiweißmengen, die auch von tierischen Produkten stammen dürfen.

Andere Forscher sind der Ansicht, dass die Ergebnisse dieser Studien vorerst mit Skepsis zu betrachten sind. Andere großangelegte Erhebungen belegen, dass Krebs und Eiweiß Gegensätze sind. Der reichliche Verzehr von Proteinen mindert demnach das Risiko einer Krebserkrankung. Pflanzliches Eiweiß nimmt hier eine exponierte Stellung ein. Gegenüber tierischen Proteinen gilt es heute als wertvoller und gesünder.

Krebs und Eiweiß: Wie gut sind Pflanzenproteine wirklich?

Die Bedeutung pflanzlicher Proteine in der Vorbeugung gegen Krebs und in der Krebsbehandlung sind graduell unterschiedlich zu betrachten. Zur Krebsprävention leistet ein reduzierter Verzehr tierischer Produkte zweifelsohne einen Beitrag. Allerdings ist hier auch danach zu fragen, ob es generell um tierische Proteine oder vor allem um industriell hergestellte Lebensmittel geht, die den Körper durch Zusatzstoffe stark belasten.

Hülsenfrüchte liefern tierisches Eiweiß - Krebs und Eiweiß

Hülsenfrüchte liefern tierisches Eiweiß

Bei bestehendem Krebs auf tierisches Eiweiß zu verzichten, ist nicht sinnvoll und kaum möglich, wenn gleichzeitig die Reduktion von Kohlenhydraten angestrebt wird. Fleisch, Fisch und Milchprodukte liefern dem Körper nicht nur Protein, sondern auch überlebenswichtige Energie. Die Budwig-Diät ist ein Beispiel dafür, dass dies im Rahmen einer vegetarischen Ernährung möglich ist. Dagegen enthielte vegane Kost zwar genügend Pflanzenproteine, jedoch wäre es auf lange Sicht nicht möglich, auf Kohlenhydrate als Energieträger zu verzichten.